02 Mär 2015

Sergej Tschemesow: „Wir planen, die Produktionsmengen weiter zu erhöhen“

 

Der Generaldirektor von Rostec Sergej Tschemesow  berichtete auf seinem Besuch auf der Ausstellung IDEX-2015 gegenüber  dem TV-Sender Russia Today über die Entwicklungspläne der Korporation und die Perspektiven der internationalen Zusammenarbeit.

- Hat Rostec in der aktuellen Wirtschaftslage vor, Subventionen zur Erhaltung von Arbeitsplätzen bei der Regierung zu beantragen?

- Sollte die Unterstützung erforderlich sein, um den Staatsverteidigungsauftrag und die föderalen Zielprogramme zu erfüllen, würden wir uns an die Regierung wenden müssen. Was eine deutliche Verringerung der Beschäftigtenzahl anbelangt, so haben wir keine solchen Pläne, daher beantragen wir auch keine Subventionen und Unterstützung bei der Regierung, um dieses Problem zu lösen.

Zusätzliche Mittel könnten bei der Umsetzung von konkreten Programmen benötigt werden. Eine Hilfe könnte erforderlich sein, auch wegen der steigenden Kreditkosten auf dem Markt. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Unternehmen überhaupt in der Lage ist, einen Kredit mit einem Jahreszins von 20-24% aufzunehmen und zurückzuzahlen, wenn man bedenkt, dass die Profitabilität der Industrie derzeit bei 6-7%, max. bei 10% liegt.

- Die Regierung diskutiert jetzt Ausgabenkürzungen für die Aufrüstung der Verteidigungsindustrie. Was halten Sie davon? Wie bewerten Sie solche Vorschläge?

- Diese Frage liegt im Zuständigkeitsbereich der Regierung. Es ist für uns natürlich nicht sehr gut, denn die Revision der Aufwendungen wird in erster Linie unseren Staatsverteidigungsauftrag betreffen. Ich meine nicht nur Rostec, sondern auch die gesamte Rüstungsindustrie. Was den letztjährigen Staatsverteidigungsauftrag anbelangt, so haben unsere Unternehmen ihn in vollem Umfang umgesetzt, wobei der Umfang unseres Staatsverteidigungsauftrages im Vergleich zum Jahr 2013 fast verdoppelt wurde. Insgesamt wurden mehr als 12.000 Verträge umgesetzt. In diesem Jahr haben wir mit der Unterzeichnung von Verträgen bereits begonnen. Im Augenblick sind wir nicht von den Ausgabenkürzungen betroffen, aber, wenn eine solche Entscheidung getroffen wird, muss wahrscheinlich etwas gekürzt werden. Ich wiederhole noch einmal: Wir haben den Umfang des Staatsverteidigungsauftrages verdoppelt. Daher ist  für uns beispielsweise eine Kürzung um 10% nicht so kritisch.

- Gibt es im Zuge einer möglichen Auftragskürzung seitens des Verteidigungsministeriums oder der Regierung alternative Programme? Falls zum Beispiel die Beschaffung von Hubschraubern „nach rechts verschoben“ wird, könnten Sie dann aufgefordert werden, mehr  Reparaturen von verfügbaren Hubschraubern in Angriff zu nehmen?

- Wahrscheinlich denkt man im Verteidigungsministerium daran, was rentabler ist: etwas Neues zu kaufen oder den Anteil der Reparatur- bzw.  Modernisierungsleistungen an der verfügbaren Technik zu erhöhen. Im Augenblick betrifft uns das, was geplant ist, nicht. Lassen wir uns auf eine konkrete Entscheidung warten.

- Seit 2000 wurden eine Reihe von gemeinsamen Projekten mit ausländischen Unternehmen begonnen. Wird es solche Projekte auch in Zukunft geben, und was wird mit denen geschehen, die bereits begonnen wurden?

- Lassen wir uns von der internationalen Zusammenarbeit im Ganzen sprechen. Wir haben kein Projekt, das bereits gestartet wurde, angehalten, sie werden fortgesetzt. Das Joint Venture mit  Agusta Westland läuft ganz normal, es hat keinerlei Produktionsstopps gegeben. Darüber hinaus planen wir, die Produktionsmengen weiter zu erhöhen, und erwägen die Möglichkeit,  ein neues Modell nach den Bedürfnisse von „Rosneft“  zu produzieren. Vielleicht fangen wir damit an, das 189. Modell zu produzieren. Es eignet sich besser als das 139. Modell für die Arbeit auf dem Schelf.  Der Auftrag ist groß. Wenn wir auf eine endgültige Einigung kommen würden, so würden die Volumina deutlich gesteigert werden, und wir würden die  Produktionskapazitäten erhöhen müssen. Was Renault-Nissan anbetrifft, so arbeiten sie bei uns ganz gut im Gegensatz zu anderen Automobilherstellern. Daimler bei KAMAZ will sich auch nicht fortbegeben. Sie planen freilich nicht, ihre Beteiligung zu erhöhen.  Vielleicht wirkte sich auf diese Position die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage aus. Sie tragen sich aber mit dem Gedanken nicht, ihren Anteil zu verkaufen.

Boeing und wir haben einen langfristigen Vertrag über die Titan-Lieferung unterzeichnet, in naher Zukunft planen wir, ein zweites Werk für die Verarbeitung von Titan-Produkten zu eröffnen. Airbus kauft bei uns mehr als 60% seines Titanbedarfs, Boeing - mehr als 40%. Es werden praktisch alle Titanteile für die Boeing-Zivilflugzeuge aus unserem Titan gefertigt. Embraer macht  überhaupt 100% aller Einkäufe bei uns.

General Electric und Rostec haben im vergangenen Jahr eine gemeinsame Produktion eröffnet. Dort fertigen wir Gasgeneratoren für  „Rosneft“.

- Die Presse berichtete, dass Bombardier mit  Q-400 Russland aus politischen Gründen verlassen habe...

- Nicht aus politischen, sondern in erster Linie aus wirtschaftlichen.  Grundsätzlich werden alle Zulieferteile im Ausland hergestellt, was augenblicklich unrentabel ist. Wir werden weiterhin mit der österreichischen Firma Diamant arbeiten und planen, ganz neue 9- und 19-Sitzer gemeinsam zu entwickeln.

- Wie entwickeln sich die Beziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten?

- Wir haben eine langjährige Partnerschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Partner aus diesem Land beteiligen sich u.a. an der Entwicklung von bestimmten Waffen. Insbesondere an der Finanzierung des Kurzstrecken-Luftabwehrraketen-System “Panzir-S1“.  Das System ist sehr interessant und erfreut sich einer großen Nachfrage in der ganzen Welt, einschließlich hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Heute haben wir eine neue Anlage entwickelt: das Fahrgestell wurde hier in den Emiraten hergestellt, aufgesetzt wird aber unser Schussmodul.

- Können Sie absolut einzigartige Technologien nennen, die Rostec bereit ist, für den internationalen Markt zu liefern?

- Eine hohe Nachfrage genießen sowohl Kleinwaffen als auch die Flugzeugausrüstung und -technik. Wir sind auch bereit, Hubschraubertechnik anzubieten. Sie wird nicht nur hier, in der arabischen Welt, aber auch in Lateinamerika, Indien, China und Ostasien stark nachgefragt. Wir haben eine Reihe von verschiedenen Arbeitsbereichen, und es gibt praktisch keine Einschränkungen.

- Sie hatten die Möglichkeit, die Ausstellung zu besichtigen. Gibt es Varianten für internationale Partnerschaften und Joint Ventures?

- Die VAE und wir erwägen die Möglichkeit einer Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines Hubschraubers, möglicherweise eines schweren oder schnellfliegenden, es werden verschiedene Varianten diskutiert. Die Verhandlungen über die Entwicklung anderer Arten von modernen Waffen sind bereits im Gange, damit meine ich, in erster Linie, Flugabwehrsysteme.

 - Bei der letzten IDEX haben Sie eine Vereinbarung über die Gründung eines Joint Ventures mit der emiratischen Firma „Tawazun“ unterzeichnet. Gibt es praktische Ergebnisse dieser Zusammenarbeit?

- Wir haben ein Joint Venture gegründet und planen, Munition für jene Technik, die bereits in Betrieb ist, zu produzieren. Dies sind vor allem Kleinwaffen und Panzerfahrzeuge BMP-3, die mit unseren Kanonen bewaffnet sind, die Munition benötigen.

- Hier wurde viel über die Notwendigkeit von Engineeringzentren und die Ausbildung von Fachpersonal gesprochen. Könnten Sie uns dazu mehr Details eröffnen? Wurden eventuell konkrete Verhandlungen geführt?

- So etwwas gibt es nicht hier, eher in Russland. Wir schaffen Ausbildungszentren gemeinsam mit Hochschulen für die Fachkräfteausbildung für unsere Unternehmen. Wir haben Vereinbarungen mit mehr als 200 verschiedenen Universitäten in Russland unterzeichnet. Wir bauen nun eine Kette  „Schule - Hochschule – Produktion“ auf. Wir arbeiten auch mit technischen Fachschulen zusammen.

- Gelingt es Ihnen, einen Gewinn durch die Zusammenarbeit mit Ländern, in denen es bewaffnete Konflikte und wirtschaftliche Schwierigkeiten gibt, zu erzielen?

- In der Regel finden diese Länder das Geld und bezahlen unsere Verträge, oder, wenn die entsprechende Entscheidung getroffen wird, liefern wir Waffen auf Kredit. Leider können wir ohne Entgelt nicht arbeiten, wir sind ein Handelsunternehmen. Ich muss noch einmal betonen, dass wir nur mit offiziellen Partnerregierungen arbeiten.

- Russland hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Probleme mit der Einholung der sowjetischen Kredite, die an viele Länder vergeben wurden. Befürchten Sie die Wiederholung einer solchen Situation?

- Wir vergeben keine Kredite,  sie fallen in den Verantwortungsbereich des Finanzministeriums. Sie suchen nach Varianten,  um den einen oder anderen Kredit sicherzustellen und etwas dafür zu bekommen. Die Varianten sind unterschiedlich.